Firmengeschichte

Die Zeit vor Gränsfors Bruks AB (1868-1902)

Die ersten konkreten Belege für eine Axtschmiede in Gränsfors stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1868 zog der Sensenschmied Johan Pettersson (JP) im Alter von 33 Jahren mit seiner Familie und seinem 18-jährigen Bruder Anders Pettersson (AP) nach Gränsfors und richtete die Sensenschmiede Gränsfors ein. Vermutlich stellte Johan Pettersson in seiner Sensenschmiede, die er bis zum Jahr 1900 unterhielt, auch Äxte her. 1871 kaufte sein jüngerer Bruder Anders Pettersson eine weitere Sensenschmiede in Gränsfors, die 1902 den Grundstein für die Axtschmiede von Gränsfors Bruk bildete. Auch Anders stellte sowohl Sensen als auch Äxte her.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann in Nordschweden die Holzfällerei im großen Stil, und der Bedarf an Holzwerkzeugen, vor allem Äxten, explodierte. Auf dem Höhepunkt der Holzfällerindustrie arbeiteten rund 400.000 Menschen im Haupt- oder Nebenberuf im Wald.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es rund zehn Axtfabriken in Schweden, die große Mengen an Äxten produzierten. Die bekanntesten Axtschmieden, vom Süden des Landes nach Norden, lagen in Forserum, Kölefors, Åby, Arvika, Säter, Storvik, Gävle und Edsbyn. Obwohl schon früh viele Äxte exportiert wurden, gab es den größten Bedarf weiterhin in Norden, weshalb die Idee entstand, eine neue Axtschmiede nördlich der bestehenden zu bauen. Man entschied sich natürlich für Gränsfors.

Die Gründung von Gränsfors Bruks AB (1902)

1902 gründete Anders Pettersson die Aktiengesellschaft Gränsfors Bruk, die die Schmiede in Gränsfors übernahm.

Der Begriff ‘bruk’ (Werk) wurde früher als Bezeichnung großer Industrieunternehmen verwendet, wie beispielsweise in ‘bergsbruk’ (Bergwerk) und ‘järnbruk’ (Eisenhütte). Diese beiden Tätigkeiten unterlagen königlichen Privilegien. Bergwerksunternehmen hatten das Privileg und die Pflicht, Eisen abzubauen und Roheisen herzustellen, aber nur die Eisenhütten hatten das Recht, das Roheisen zu Eisenbarren zu verarbeiten – das Basismaterial für die Herstellung von Eisenprodukten.

Das Wort ‘bruk’ wird auch für andere Fabriken verwendet, z.B. ‘glasbruk’ (Glashütte) und ‘pappersbruk’ (Papiermühle).

Die Hütten und Mühlen waren größtenteils autonome Gemeinschaften und das Meiste, was für die Produktion und das Überleben benötigt wurde, wurde vor Ort hergestellt. Land- und Forstwirtschaft gehörten ebenso zum Betrieb wie Nahrung und Unterkünfte für Angestellte. Der Standort vieler Hütten und Mühlen war vor allem von der Verfügbarkeit von Energie aus nahegelegenen Flüssen abhängig.

Im Jahr 1859 wurden alle königlichen Privilegien abgeschafft, womit mehr Wettbewerb in den Branchen ermöglicht wurde. Aus den alten Industriebetrieben wurden oft Aktiengesellschaften. Einige strichen das Wort ‘bruk’ aus ihrem Namen, behielten jedoch ihre Stellung als Hauptarbeitgeber und führendes Unternehmen der Region.

Das Wort ‘bruk’ im Firmennamen von Gränsfors Bruk war vielleicht eine Strategie, das Unternehmen größer und traditionsreicher erscheinen zu lassen, als es war. Gränsfors Bruk geht mit Sicherheit nicht auf die alten Industriebetriebe mit ihren königlichen Privilegien zurück, aber diese Tatsache war seinen Kunden, die oftmals im weit entfernten Südschweden saßen und niemals in der Nähe von Gränsfors gewesen waren, vermutlich nicht bekannt.

Anders Pettersson stand dem neuen Unternehmen von 1902-1908 vor. In dieser Zeit kam Alfred Wennerström nach Gränsfors, nachdem er zuvor in anderen Axtschmieden in Schweden gearbeitet hatte. Auch Oskar Rising, der in der Schmiede in Pinjainen in Finnland (heute Fiskars) gearbeitet hatte, stieß zum Unternehmen. 1907 waren 10 Personen bei Gränsfors Bruk beschäftigt. Nach Anders Pettersson leitete der Bankier A. Lundberg für einige Jahre Gränsfors Bruk.

Die Familie Eriksson (1917-1982)

Olof Eriksson zog im Alter von 25 Jahren von Kall in Jämtland nach Bergsjö und eröffnete unter dem Namen O. Eriksson Järnaffär eine Eisenwarenhandlung. Neben seiner Tätigkeit als Einzelhändler handelte er auch mit Waren, die er hauptsächlich bei lokalen Herstellern selbst in Auftrag gab. Dazu zählten Sensen, Äxte, Forstwerkzeuge und andere Artikel, die unter dem Oberbegriff Eisenwaren liefen. Als ungemein geschäftstüchtiger Mann war Olof Eriksson an der Gründung mehrerer Unternehmen in der Region beteiligt. 1917 übernahm Eriksson Gränsfors Bruk und wurde Geschäftsführer. Nach 1917 stieg die Axtproduktion durch den Erwerb einer neuen ‘Arboga 35′ Schmiedepresse, die zum Teil vom Eisenwarenhändler Eriksson finanziert wurde, sprunghaft an. Die Presse kostete damals 17.000 schwedische Kronen und wird bei Gränsfors Bruk noch heute zum Schmieden der Gränsfors Outdoor-Axt und des Gränsfors Minibeils verwendet.

Der Export im Mittelpunkt (1920-1960)

Im Jahr 1920 kam die Axtproduktion beinahe zum Erliegen. Für kurze Zeit arbeiteten nur die Brüder Birger und Axel Wennerström bei Gränsfors Bruk. In den 1920er Jahren kontaktierte Olof Eriksson die russische Botschaft in Stockholm, was zum Beginn von Exporten nach Russland führte. Die Liste der Exportmärkte wurde später erheblich länger; ganz oben standen Südamerika und Kanada. Zu den Exportländern zählten auch die USA, Neuguinea, Australien, Neuseeland, Finnland und Lettland. Während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren war die Produktion gering, nahm aber bald wieder Fahrt auf.

In den 1940er und 1950er Jahren war Axel Bäckstöm Geschäftsführer und Axel Wennerström Leiter der Produktion. Obwohl sie und alle anderen Mitarbeiter von Gränsfors Bruk keine andere Sprache als Schwedisch sprachen, exportierte das Unternehmen während dieser Zeit hauptsächlich in die USA und nach Argentinien und Kolumbien. Während und nach dem zweiten Weltkrieg liefen die Geschäfte weiterhin gut, und 1952 feierte Gränsfors Bruk in guter Verfassung sein 50. Jubiläum. In jenem Jahr stellten die 40 Mitarbeiter beinahe 200.000 Axtköpfe her. Zwölf der Männer, die seit 25 Jahren oder länger in der Schmiede gearbeitet hatten, erhielten eine Medaille für ihren langen und treuen Dienst.

Im weiteren Verlauf des Jahres geriet das Unternehmen jedoch in eine schwere finanzielle Krise. Diese wurde durch den Verlust eines der Hauptkunden, Strohecker & Broesamle in San Francisco, verursacht, nachdem der Besitzer krank geworden war. Das hatte zur Folge, dass mehrere Mitarbeiter entlassen werden mussten. Wenige Jahre später aber war der amerikanische Kunde wieder genesen und der Betrieb wurde wieder aufgenommen, wodurch Gränsfors Bruk neue Leute einstellen konnte.

Als Olof Eriksson 1956 starb, übernahm Olof Erikssons Sohn, Torgny Eriksson, das Ruder von Axel Bäckström. Axel Bäckström und Axel Wennerström verließen das Unternehmen beide um das Jahr 1960. Torgny war bis zu seinem Tod Geschäftsführer und später auch Vorstandsvorsitzender von Gränsfors Bruk. Er hinterließ sieben Kinder, darunter den Sohn Lars Eriksson, der sich mit der schwierigen Herausforderung konfrontiert sah, Leiter eines kleinen Familienunternehmens mit acht Besitzern (den sieben Geschwistern und seiner Mutter) zu werden. Lars’ Schwager Johan Skärgård war Produktionsleiter, während als Hauptbuchhalter Lars’ Bruder Olle Eriksson fungierte, der gleichzeitig auch für das Familienunternehmen Erikssons Järnhandel in Bergsjö arbeitete. Dass einige Familienmitglieder im Unternehmen arbeiteten und einige nur Gesellschafter waren, machte die Unternehmensführung sicherlich nicht einfacher.

Olle Andersson, ein Autodidakt und genialer Ingenieur, der dafür sorgte, dass die gesamte Produktionsausstattung die Anforderungen erfüllte, war in den 50ern, 60ern und bis in die 70er Jahre hinein eine wichtige Person bei Gränsfors Bruk.

In der 1960er Jahren stellte Gränsfors Bruk mehr als 200.000 Axtköpfe pro Jahr her und exportierte große Mengen in die USA und nach Finnland, Kanada, Argentinien und Thailand.  In dieser Zeit kümmerte sich Oly, Torgny Erikssons Schwester, um die Exportkorrespondenz. Exporte nach Finnland liefen über das finnische Unternehmen Stridsberg & Björk und beliefen sich in einigen Jahren auf mehr als 40.000 Axtköpfe.

Der Siegeszug der Kettensäge (1960-1982)

In den 1960er und 1970er Jahren ging die Holzfällerei zurück, und es wurden zunehmend Kettensägen für Holzfällerarbeiten eingesetzt, zunächst zum Fällen und später auch zum Entasten der gefällten Bäume. Es gab weniger Forstarbeiter und weniger Menschen, die Äxte verwendeten. Infolge dessen sank die Nachfrage nach Äxten in Schweden in den 1960er und frühen 1970er Jahren dramatisch. Die verbliebenen Axtschmieden konnten nur überleben und ihre Produktion sogar vorübergehend erhöhen, weil konkurrierende Schmieden geschlossen wurden und der Export von Äxten Wachstumspotential bot. 1974 stellte Gränsfors Bruk 200.000 Axtköpfe her, von denen 80 % exportiert wurden.

Die erste Ölkrise Mitte der 1970er führte zu einer blitzartig steigenden Nachfrage nach Äxten, deren Verkaufspreis nicht zuletzt in Schweden stieg. Die Produktion und der Verkauf von Äxten war wieder ein profitbringendes Geschäft, aber alle Axthersteller in Schweden begingen denselben strategischen Fehler. Sie konzentrierten sich auf die profitablen Märkte in Schweden, Finnland und Norwegen, in denen sich am einfachsten und schnellsten Geld machen ließ.  Die Produktionskapazitäten wurden zu 100 Prozent ausgelastet, aber die Hersteller konnten trotzdem nicht alle Kunden bedienen, und Exportkunden am anderen Ende der Welt mussten warten. Abläufe wurden so weit es ging rationalisiert und es wurden automatische Schleifmaschinen eingeführt, die sowohl die Produktion als auch die Äxte einfacher machten – oft auf Kosten der Qualität der Äxte. Gränsfors Bruk tätigte große Investitionen und baute im Jahr 1979 ein neues Gebäude über den alten Schmiedemaschinen, aber diese Investition wurde zu einer finanziellen Belastung für die Firma.

Nachdem die guten Zeiten der 1970er zu Ende gegangen waren, bereitete die sinkende Nachfrage der gesamten Axtindustrie schwere Kopfschmerzen. Die Kettensäge hatte die Forstwirtschaft nun vollständig eingenommen und die Kunden, die während der Ölkrise Äxte gekauft hatten, waren verschwunden. Die schwedische Industrie versuchte, wieder an jene Exportkunden Äxte zu verkaufen, die man mehrere Jahre lang vernachlässigt hatte, hatten jedoch wenig Erfolg. Die Exportkunden hatten nicht warten können und bezogen ihre Äxte nun von anderen Anbietern aus Ländern wie China, Brasilien und den USA. Die neuen Konkurrenten boten oft im Vergleich zu den schwedischen Produkten sehr viel niedrigere Preise und eine schlechtere Qualität, aber qualitativ hochwertige Äxte waren nicht mehr so gefragt wie früher. Professionelle Waldarbeiter, die früher für ihre Arbeit Äxte verwendeten hatten, arbeiteten jetzt mit Kettensägen.

Zusammen mit der geringeren Nachfrage nach Äxten in Exportländern führte dies zu einer Senkung des Preisniveaus. Es wurden weniger Äxte zu niedrigeren Preisen verkauft, obwohl gleichzeitig die Kosten für die Axtproduktion stiegen, wodurch die Hersteller von Äxten herbe Gewinneinbußen einstecken mussten.

Es waren finanziell schwierige Zeiten für Gränsfors Bruk, und man war auf der Suche nach neuen Lösungen. Eine dieser Lösungen war eine Vereinbarung mit dem finnischen Axthersteller Fiskard, gemäß der Gränsfors Bruk Axtköpfe der Marke Fiskars herstellte, die Fiskars anschließend in Finnland vertrieb. Dadurch endete die langjährige Partnerschaft mit Stridsberg & Björk in Finnland. Die neue Vereinbarung stellte sich als Fehlentscheidung für Gränsfors Bruk heraus, als das Unternehmen in nur wenigen Jahren den gesamten Absatz in Finnland verlor.

Gränsfors Bruk geht bankrott (1982-1985)

1982 entschied sich die Familie Eriksson dazu, Gränsfors Bruks AB zu verkaufen. Die neuen Eigentümer und Geschäftsführer hatten leider kein Interesse an der Herstellung von Äxten und konzentrierten sich voll und ganz auf die Investition in und die Herstellung von Kettengliedern mit staatlicher Unterstützung. Der Plan war, diese Glieder anschließend an das börsennotierte Unternehmen Ljusne Kätting in Söderhamn zu verkaufen, zu dessen Kunden die Offshore-Industrie gehörte. Dieser Plan ging jedoch nicht auf. Die große neue Schmiedemaschine funktionierte nie richtig, und die Produktion kam nie in Gang. 1985 ging Ljusne Kätting bankrott und zog Gränsfors Bruk mit sich in den Abgrund.

Svedbro Smide AB (1878-1940)

Die Geschichte von Gränsfors Bruk ist nicht vollständig, ohne den Wurzeln von Svedbro Smide ebenfalls nachzugehen. Tatsächlich hat die Geschichte von Gränsfors Bruk zwei Wurzeln.

Die Geschichte von Svedbro Smide beginnt im späten 19. Jahrhundert mit einem Schmied namens Tideman. 1878 eröffnete er eine wasserbetriebene Schmiede in Svedbro am Fluss Annån, der die Straße von Gnarp nach Bergsjö ca. 10 km von Gränsfors entfernt kreuzt. Der Betrieb ging jedoch nach nur einem Jahr bankrott, und die Schmiede in Svedbro wurde von Johan Sjölander übernommen, der sie 12 Jahre lang führte. Nach Johans Tod um das Jahr 1890 wurde die Schmiede von seiner Witwe Kajsa-Stina an Anders Erik Bergqvist verkauft, der sie 1924 wiederum an seinen Sohn Erik Bergqvist weitergab. Erik war gelernter Schmied und Hufschmied und mit einer Frau namens Britta verheiratet. Erik starb 1941, und plötzlich war Britta für die Schmiede verantwortlich. Anders als Kajsa-Stina, jene andere Witwe eines Schmieds ein halbes Jahrhundert früher, beschloss Britta, die Schmiede in Svedbro weiterzuführen.

Britta betrieb die Schmiede sechs Jahre lang unter dem Namen ‘Erik Bergqvist Smide Sterbhus’ mithilfe der Schmiede Johan Enander und Rudolf Larsson. Zu ihren Produkten zählten unter anderem geschweißte Hochdruckkessel und Warmwasserbereiter. Materialmangel während des zweiten Weltkriegs setzte dieser Produktion jedoch ein Ende. Stattdessen wurden nun Hacken, Hebezangen und Hebehaken hergestellt.

Partnerschaft mit Gränsfors Bruk (1940-1960)

1943 ging der Neffe Johan Enanders, Per Enander, mit 22 Jahren in die Ausbildung in der Schmiede in Svedbro, die inzwischen viele Auftragsstücke für den Eisenwarenhandel O Erikssons Järnhandel in Bergsjö herstellte. Nach einigen Jahren heiratete Per Brittas einzige Tochter und übernahm 1947 die Schmiede in Svedbro, die ihren Namen in Svedbro Smidesfabrik änderte. Per belieferte auch weiterhin die Eisenwarenhandlung in Bergsjö und begann 1948 außerdem mit der Herstellung einer älteren Version von Kuhfüßen, die an Gränsfors Bruk verkauft wurden.

1951 begann eine weitere Partnerschaft zwischen Svedbro Smidesfabrik und dem in Stockholm ansässigen Unternehmen Skogsdon AB, für das Svedbro eine Reihe verschiedener Forstwerkzeuge herstellte.

1952 kontaktierten der Eigentümer von Gränsfors Bruk, Torgny Eriksson, Büroleiter Axel Bäckström und Vertriebsleiter Tore Vestin Svedro Smidesfabrik bezüglich der Produktion eines neuen Nageleisens, für das Gränsfors Bruk den Stahl liefern würde. Die Kuhfüße wurden nach Vertriebsleiter Tore Vestin TOVE genannt und basierten auf einem älteren Modell, das Svedbro Smide seit 1942 hergestellt hatte. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen war jedoch kein großer Erfolg, denn oft ging der Stahl aus, und Gränsfors Bruk verzögerte regelmäßig Zahlungen an die Svedbro Smidesfabrik. 1960 erhielt Per Enander das Angebot, die Position als Schmiedeleiter bei Gränsfors Bruk von Axel Wennerström zu übernehmen und gleichzeitig die Svedbro Smidesfabrik an Gränsfors Bruk zu verkaufen. Per lehnte das Angebot ab. Stattdessen baute er mit der Unterstützung der Gemeinde Gnarp eine neue Schmiede in Gnarp. Hier arbeiteten Per und seine Frau Elsie bis sie 1985 in den Ruhestand gingen.

Der schwedische Staat kauft und verkauft (1960-1985)

In den 1960er Jahren wurden bei Svedbro Smidesfabrik nicht nur Kuhfüße und Forstwerkzeuge hergestellt, sondern auch Forstmaschinen. 1961 wurde Skogsdon AB, ein Unternehmen, dessen Geschäftsidee es war, “alles, was ein Forstarbeiter benötigt, zu entwickeln und zu verkaufen”, Minderheitseigentümer von Svedbro Smidesfabrik. 1971 wurde Skogsdon vom staatlichen Domänverket (jetzt Sveaskog) übernommen und dadurch wurde der schwedische Staat Miteigentümer von Svedbro Smidesfabrik. Im Jahr 1978 kaufte Skogsdon alle Anteile an Svedbro Smidesfabrik und damit wurde der Name in Svedbro Smide AB geändert.  Im gleichen Jahr übernahm und fusionierte Skogsdon mit dem Konkurrenten Nordforest Skogstillbehör AB, das seinen Sitz und sein Lager in Säter hatte. Dadurch verlagerte auch Skogsdon seinen Hauptgeschäftssitz von Stockholm und das Lager, das sich seit den 1960er Jahren in der Nähe von Svedbro befand, in das für das schwedische Forstgeschäft zentraler gelegene Säter.

In den 1970er und 1980er Jahren stellte Svedbro Smide neben Kuhfüßen und der Lohnfertigung ungefähr 50 verschiedene Forstwerkzeuge her. Die Verkaufszahlen der Forstwerkzeuge, die erst von Skogsdon und später von Nordforest Skogsdon vertrieben wurden, gingen jedoch zurück, da die Anzahl der aktiven Forstarbeiter durch die zunehmende Mechanisierung der Forstarbeit abnahm. In dieser Zeit lag der Schwerpunkt der Produkte u.a. auf dem Fällheber Stalpen und der Pflanzausrüstung mit einem neuen Pflanzrohr.

1982 verkaufte Domänverket Svedbro Smide an Gabriel Brånby. Er war von 1977 bis 1980 bereits Geschäftsführer von Skogsdon gewesen. 1985 kaufte dann Svedbro Smide das in Konkurs gegangene Gränsfors Bruks AB auf – der Beginn einer neuen Reise.

Svedbro Smide + Gränsfors Bruk (1985- )

1985 kaufte Svedbro Smide das Unternehmen Gränsfors Bruk auf. Svedbro Smide schmiedete mit einer ähnlichen Technik, wie sie in Gränsfors angewendet wurde, Kuhfüße und Forstwerkzeuge in Gnarp. Die beiden Betriebe schlossen sich unter dem Namen Gränsfors Bruks AB zu einem Unternehmen zusammen, aber 2005 wurde es wieder in Gränsfors Bruks Axtschmiede in Gränsfors and Gränsfors Bruks Nageleisenschmiede in Gnarp geteilt.

1988 verkaufte Gränsfors Bruk sein Forstwerkzeuggeschäft an Eia, ein Tochterunternehmen von Sandvik, und legte seinen Schwerpunkt auf die Herstellung von Äxten, Spalthämmern, Fällhebern, Pflanzrohren und Kuhfüßen.

Einige Zeit später wurde auch das Pflanzrohrgeschäft verkauft, und zwar an das finnische Unternehmen Lännen.

Gründlichere und qualitätsorientiertere Produktion (1988-)

Bisher hatte sich Gränsfors Bruk, wie auch andere Hersteller, darauf konzentriert, Äxte so schnell und preiswert wie möglich herzustellen, oft auf Kosten der Funktionalität und Qualität. Das Arbeitsumfeld war mangelhaft, die Schmiede leisteten Akkordarbeit und Fehler in der Verarbeitung wurden durch grobes Schleifen, Scheuern, Polieren und schließlich Lackieren verdeckt. Es wurde viel Aufwand für die Nachbearbeitung betrieben, und die Gewinnmargen waren klein.

Ende der 1980er Jahre machte Gränsfors Bruk einen Schritt zurück zu einem traditionelleren, handwerklicheren Produktionssystem, das vor langer Zeit üblich gewesen war. Das Wissen über Äxte, ihre Funktion und Umweltfragen wurden zum Leitbild der Axtproduktion. Die Restrukturierung geschah auf Grundlage der Erkenntnis, dass man, wenn man alles Unnötige weglässt, oft ein ehrlicheres, umweltfreundlicheres und ansprechenderes Produkt erhält.

Die Akkordarbeit wurde abgeschafft; stattdessen durften qualifizierte Handwerker sich nun Zeit lassen. Der wichtigste Aspekt wurde die Qualität, nicht die Quantität. Der Schwerpunkt wurde darauf gelegt, zu garantieren, dass die Schmiedearbeit gut ausgeführt wurde, wodurch die Notwendigkeit des anschließenden Schleifens erheblich abnahm. Abgeschafft wurden ebenfalls alle Farben, Lacke und Lösemittel sowie der Epoxydkleber, der zuvor zur Befestigung der Griffe verwendet worden war. Ein Nebenprodukt dieser umfangreichen Produktionsumstellung war, dass Gränsfors Bruk 1990 einen Preis in einem Wettbewerb für umweltfreundliche Designs gewann, der von Svensk Form und dem Schwedischen Naturschutzverein veranstaltet wurde.

Obwohl die Konkurrenz zwischen den Herstellern von Äxten in den 1980ern und 1990ern sehr stark blieb, wurde Gränsfors Bruk ein zunehmend großes Unternehmen auf dem Axtmarkt. Es verbesserte seine Produktion und begann mit dem Verkauf in eine steigende Anzahl von Ländern. Die Idee, einen Schritt zurück zu gehen, hin zu einer gründlicheren, qualitätsorientierteren Produktion, trug allmählich Früchte. Mehrere andere Axthersteller kopierten die ‘Gränsfors-Methode’ und begannen, in einem ähnlichen Geiste Äxte herzustellen – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Änderungen richtig waren, auch wenn die Kopien den Originalen von Gränsfors mitunter lächerlich ähnlich waren.

Original från Gränsfors Yxa Wetterlings Yxa Hultafors
Original von Gränsfors Bruk Axt aus Wetterlings Axt aus Hultafors/Hults Bruk

Schwerpunkt Produktentwicklung (1990-)

Einer der Hauptgründe dafür, dass Gränsfors Bruk angesichts der scharfen Konkurrenz durch Kettensägen und Kopien überlebt hat, ist seine klare Strategie, den Schwerpunkt auf die Produktentwicklung zu legen.

Gränsfors Bruk ist seinen Nachahmern immer um einen Schritt voraus und treibt die Entwicklung neuer Modelle voran. Man studierte nahezu alle verfügbaren Informationen zu Äxten und Axtbau. Alte Äxte mit andern Formen und Funktionen wurden analysiert, praktische Tests mit einer Reihe von Äxten durchgeführt und viele alte Axtschmiede und Benutzer von Äxten befragt – immer mit dem Ziel, der Konkurrenz voraus zu sein und im Bezug auf das Wissen über Äxte und die Produktionsentwicklung federführend zu sein. Ohne die Tausenden von Stunden, die wir damit verbracht haben, Wissen über unseren Berufszweig anzuhäufen, wäre die Entscheidung für die anschließenden Veränderungen und Investitionen schwer zu fällen gewesen.

Das zusammengetragene Wissen bot nicht nur eine solide Grundlage für das Unternehmen, sondern führte auch zum ‘Buch der Äxte’, das nun mit jeder durch Gränsfors verkauften Axt mitgeliefert wird, und zum Axtmuseum, das sich als Goldgrube für Ideen für die Produktentwicklung erwiesen hat. In den 1990er Jahren begann Gränsfors Bruk, mit unabhängigen Experten zusammen zu arbeiten, und viele der stark auf Vorlagen gründenden Modelle wurden bald durch neue Modelle ersetzt, die ein besseres Design und bessere Funktionalität boten. Keines der im Jahr 1987 angebotenen acht Modelle war 1990 noch im Programm. Die Schwedische Schnitzaxt wurde 1994 in Zusammenarbeit mit dem Handwerker Wille Sundqvist und anderen Experten produziert. 1995 entwickelte und lancierte Gränsfors Bruk das Jägerbeil, das bewusst so anders als andere Äxte entworfen wurde, dass es im Rahmen des geistigen Eigentumsrechts geschützt werden konnte. Das Jägerbeil wurde 1995 als ‘Herausragendes schwedisches Design’ gewürdigt. Im selben Jahr begann Gränsfors Bruk, Äxte mit einer Produktgarantie von 20 Jahren zu verkaufen. 1996 brachte Gränsfors Bruk ein neues Sortiment an Breitäxten und anderen Werkzeugen für den Blockhausbau auf den Markt. 1997 war das Jahr der Einführung eines neuen, kleineren Tischlerbeils, und die alte Version, die man kopiert hatte, wurde nicht mehr hergestellt. Inzwischen sind seit 1990 acht neue Modelle eingeführt worden.

Das gesamte Sortiment an Spaltäxten wurde 1997-1998 ersetzt, und es wurde eine ganz neue Art von Spaltäxten und -hämmern mit einem Stielschutz aus Stahl auf den Markt gebracht. Das schwedische Prüfinstitut Sveriges Tekniska Forskningsinstitut erklärte die neue große Spaltaxt von Gränsfors Bruk zum Testsieger. 1998 erschien auch die Amerikanische Fällaxt, die zusammen mit dem amerikanischen Kanubauer und Waldarbeiter Geoffrey Burke entwickelt worden war. Das Gränsfors Minibeil wurde im Jahr 2000 eingeführt und wurde sofort ein Erfolg. 2003 wurden ein Sortiment mit Schleifwerkzeugen und die Kleine Spaltaxt auf den Markt gebracht. Im Zeitraum zwischen 2000-2006 wurden auch mehrere Nachbildungen historischer Äxte aus der Eisen- und Wikingerzeit unter dem Titel “Historische Äxte” entwickelt. Inzwischen heißen sie einfach Gränsfors Bruks Historische Äxte. 2008 kam die Outdoor-Axt in Zusammenarbeit mit dem Überlebenskünstler Lars Fält*. Die Outdoor-Axt ist inzwischen patentgeschützt.

Lars Fält* Lars Fält gründete die Swedish Armed Forces Survival School und trainiert seit 35 Jahren das Ranger-Bataillon der schwedischen Armee. 

 

In den vergangenen 25 Jahren der Geschichte von Gränsfors Bruk war die Produktentwicklung entscheidend für das Überleben des Unternehmens, und dieser fortlaufende Prozess darf nie aufhören.

Eine neue Generation übernimmt (2010-)

Im Verlauf der Jahre haben viele Axtschmieden in Schweden und dem Rest der Welt den Betrieb eingestellt. 2013 waren die einzigen verbleibenden Schmieden in Schweden Hultafors/Hults Bruk in Åby, S.A. Wetterlings in Storvik und Gränsfors Bruk in Gränsfors. In Finnland gibt es Fiskars, die unter anderem Äxte führen. In Dänemark und Norwegen gibt es keinen einzigen Axthersteller mehr.

Gränsfors Bruk geht es trotz zweier schwerer Finanzkrisen im letzten Jahrzehnt gut. Tatsächlich hat das Unternehmen seine Position auf dem Axtmarkt gefestigt und seinen Umsatz allmählich erhöht. Die Äxte von Gränsfors Bruk werden zur Zeit in 30 Ländern verkauft, was das Unternehmen zu einem der führenden Axtproduzenten weltweit und einer starken Marke in der Branche macht. In den letzten Jahren hat ein stufenweiser Generationenwechsel im Unternehmen stattgefunden, wo zwei Gabriels Söhne, Adam und Daniel führen nun das Unternehmen.