Die Geschichte der Axt

Die ältesten Äxte

Die Steinzeit ist die Periode in der Menschheitsgeschichte, in der die Menschen mit der Werkzeugherstellung begannen. Der Name Steinzeit leitet sich davon ab, dass die meisten Schneidwerkzeuge dieser Zeit aus Stein gefertigt wurden. Die Steinzeit umfasst:

Die Altsteinzeit (Jägersteinzeit), in der der Mensch von Jagd und Fischfang lebte. Zu dieser Zeit begannen die Menschen damit, die ersten Steinwerkzeuge zu fertigen. Dieser Zeitraum setzte vor etwa 2,5 Mio. Jahren ein und erstreckte sich etwa bis zum Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10000 bis 11000 Jahren. Darauf folgte die Jungsteinzeit (Bauernsteinzeit), in der sich der Mensch hauptsächlich der Landwirtschaft widmete. Hin und wieder wird auch von einer „Kupfersteinzeit“ gesprochen, die sich kurz vor dem Einzug der Bronzezeit etablierte.

Die Axt zählt zu den ältesten Werkzeugen des Menschen. Die ältesten Äxte, so genannte Handbeile bzw. Faustkeile, verfügten über keinen Schaft. Sie wurden bereits vom Homo ergaster vor 1,6 Mio. Jahren eingesetzt.

Mit Homo ergaster werden Fossilien von Menschen der Gattung Homo bezeichnet, die vor 1,9 bis 1,4 Mio. Jahren im östlichen und südlichen Afrika lebten. Der Artname ergaster stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Arbeiter“. Diese Bezeichnung leitet sich davon ab, dass unweit von Skelettfunden dieser Gruppe Werkzeuge wie Steinäxte und Steinbeile gefunden wurden.  

Beim Faustkeil handelt es sich um ein birnenförmiges, grob behauenes Steinwerkzeug, das über eine gleichmäßige und sich verjüngende Spitze sowie einen breiten Griff verfügt. (Abb. 2) Vermutlich wurde der Faustkeil auf vielfältige Weise eingesetzt: Angefangen vom Zerlegen von Tieren bis hin zum Ausgraben von Wurzelknollen. Nach und nach fand der Abschlag auch als Messer, Schaber und Pfeilspitze Verwendung.

Als die Axt später mit einem Schaft versehen wurde, bildeten sich verschiedene Axtarten heraus, die sich in zwei Hauptgruppen unterteilen lassen: Äxte ohne Schaftloch und Äxte mit Schaftloch.

Äxte ohne Schaftloch

Äxte ohne Schaftloch (Beile) wurden vorwiegend aus Feuerstein, Grünstein oder Schiefer gefertigt.

Bei der Kernaxt handelt es sich um eine grobe, ungeschliffene Feuersteinaxt (Flintaxt) mit spitzem Nacken und häufig mit der größten Breite an der Schneide. Die Kernaxt war vor allem in der Altsteinzeit verbreitet.

Das Scheibenbeil wurde aus starkem Abschlag gefertigt, dessen Schneide für die breite Axtschneide genutzt wurde. Verschleißanalysen zeigen, dass Scheibenbeile vorwiegend beim Gerben und nicht für Holzarbeiten sowie andere Aufgaben verwendet wurden.

 

 

 

 

Bei der Lihults-Axt (norwegisch: Nøstvet-Axt) handelt es sich um eine grob bearbeite Axt aus Grünstein. Die Schneide ist geschliffen und am Nacken sind Schlagspuren zu finden. Sie ist charakteristisch für das heutige Westschweden sowie Südnorwegen und wurde vor allem in der späteren Altsteinzeit in der Region um den Oslofjord verwendet.

Diese schmalnackige Axt wurde herkömmlicherweise aus Feuerstein (Flint) gefertigt. Einzelne Exemplare aus anderen Gesteinsarten kommen sowohl in feuersteinreichen als auch feuersteinarmen Gegenden vor. Sie wird häufig als Arbeitsaxt angesehen. Schätzungen zufolge stammt sie aus der Zeit von 3700 bis 3200 v. Chr. Ältere Typen sind in der Regel länger und breiter. Sie verfügen zudem über einen schmaleren Nacken als die spätere breitnackige Axt. Die schmalnackige Axt wurde als effektives Werkzeug für Waldarbeiten verwendet und dabei sehr wahrscheinlich zur Entrindung eingesetzt.

Beim Walzenbeil handelt es sich um ein Beil aus Grünstein mit ovalem oder rundem Profil. Nur die Schneide ist geschliffen. Die Formgebung des Rests erfolgte durch feines Picken. Das Walzenbeil war in der Altsteinzeit, aber auch in großer Zahl für die ältere Periode der Jungsteinzeit typisch. Besonders verbreitet war es im heutigen Mittelschweden und im südlichen Bereich Nordschwedens. Ebenfalls häufig ist es in den heutigen schwedischen Regionen östliches Småland, Gotland, Bohuslän und Skåne zu finden.

Bei der hohlschneidigen Axt läuft die Schneide konkav zu und erinnert somit an die derzeit verwendeten Lochbeitel. Hohlschneidige Äxte kommen in verschiedenen Arten vor und sind für unterschiedliche Zeiträume typisch. Sehr wahrscheinlich wurden sie für Holzarbeiten eingesetzt, z.B. als Lochbeitel oder Stemmeisen.

 

 

 

 

 

Schaftlochäxte

Schaftlochäxte wurden aus verschiedenen Gesteinen gefertigt, nicht aber aus Feuerstein. Sie sind eher Luxuswaffen und zeremoniellen Gegenstände zuzurechnen. Beispiele hierfür sind die so genannten Bootäxte, die von den Streitaxtkulturen in Europa (3200 bis 1800 v. Chr.) verwendet wurden. (Weitere Informationen zur Streitaxtkultur finden Sie im Folgenden.)

Bei der Vielkantaxt (Knaufhammeraxt) handelt es sich um eine Art Streitaxt aus der Jungsteinzeit. Sie lässt sich auf die Zeit um 3000 bis 3400 v. Chr. datieren. Sie ist gewöhnlich aus Grünstein oder anderen exklusiveren Steinarten gefertigt und verfügt über ein Schaftloch. Sie zeichnet sich durch verschiedene Unterscheidungsmerkmale aus, wie z.B. ausgestellte Schneide, gewölbter Nackenknauf, angewinkelter Axtkörper, Rinne und Erhebung. Ihre Formgebung erfolgte durch Picken. Anschließend wurde die gesamte Oberfläche geschliffen. Die Vielkantaxt gilt als Kopie der mitteleuropäischen Kupferäxte. Doch auch in diesen Gegenden sind Vielkantäxte vergleichbaren Typs anzutreffen.

Bei der Doppelstreitaxt handelt es sich um eine Schaftlochaxt aus der Zeit um 3400 bis 2900 v. Chr. Sie war vor allem auf der Insel Rügen im heutigen Deutschland und auf der heute dänischen Insel Seeland verbreitet, als sich in den angrenzenden Regionen die Streitaxtkultur etablierte. Die Axt zeichnet sich durch eine ausgestellte Schneide aus, die insbesondere bei den jüngeren Typen besonders hervortritt. Sie weist daher bei diesen einen besonders ausgestellten Nackenbereich auf. Doppeläxte wurden stets aus harten und homogenen Gesteinen wie Porphyr herausgearbeitet und sind fein geschliffen.

Bootaxt, so lautet der ältere Terminus für die Schaftlochaxt der schwedisch-norwegischem Streitaxtkultur. Sie wird heute in der Regel als Streitaxt bezeichnet. In den letzten Jahren wurde die Verwendung der Streitaxt als Waffe zunehmend in Frage gestellt. So sind u.a. die Schaftlöcher viel zu klein, um auf einem ausreichend großen Schaft befestigt zu werden. Sie kann auch zeremoniellen Zwecken oder als Identitätsmerkmal der oberen Gesellschaftsschicht gedient haben. Ähnliche Äxte wurden in einem großen Gebiet im nordöstlichen Europa aufgefunden, wobei sich jedoch in den Details in den verschiedenen Kulturräumen deutliche Unterschiede zeigen.

Streitaxtkultur (ca. 3200 bis 1800 v. Chr.)

Die Streitaxtkultur (ca. 3200 bis 1800 v. Chr.), in der älteren Literatur auch Bootaxtkultur genannt, bezeichnet eine ziemlich einheitliche archäologische Kultur in den südlichen Teilen des heutigen Schwedens und Norwegens, die sich vom dänischen Bornholm und schwedischen Skåne im Süden bis nach Uppland im Norden Schwedens und entlang der norwegischen Küste bis Trøndelag erstreckt. Sie gilt als regionale Variante der sogenannten Schnurkeramikkultur („Corded Ware Culture“), die im dritten Jahrtausend v. Chr. in Nordosteuropa herrschte. Neben den Streitäxten, die dieser Kultur ihren Namen verliehen, und den typischen Keramikgefäßen, gibt es eine Reihe weiterer Objekte, die diese Kultur prägen. Dazu zählen die querschneidigen Feuersteinäxte und Feuersteinmeißel, die zudem häufig hohlschneidig sind.

Äxte während der Bronzezeit (2000 bis 500 v.Chr)

In der Bronzezeit (2000 bis 500 v.Chr. in Nordeuropa) wurden die Steinäxte zunehmend von Äxten mit Köpfen aus Kupfer oder Bronze verdrängt. Zunächst waren diese Äxte reine Nachbildungen von Steinäxten. Axtköpfe aus Bronze wurden in Formen gegossen. Demzufolge ließ sich das Axtmodell kopieren und massenhaft fertigen.

Ein Bronzezeitaxttyp war das so genannte Tüllenbeil (Tüllenaxt). Der keilförmige Axtkopf besaß kein Schaftloch. Der Schaft wurde hinten am Kopf in einer so genannten „Tülle“ befestigt. Bei der Fertigung dieser funktionstüchtigen Arbeitsaxt wurde nur wenig Material verbraucht. Das Beil war innen hohl und der Schaft wurde direkt ins Blatt gesteckt. Die älteren Tüllenbeile waren ziemlich lang. Sie wurden später durch kürzere Typen ersetzt, bei denen die ausgestellte Schneide die kleinere Größe kompensierte.


 

 

Beim Absatzbeil handelt es sich um einen anderen Typ einer Bronzeaxt, der während einer kurzen Zeitspanne in der Bronzezeit (1500 bis 1000 v. Chr.) aufkam. Typisch für diese Axt ist der sich verjüngende Nacken, der in einem geteilten Holzschaft befestigt ist. Die Schneide ist häufig ausgestellt. Die Seitenränder können mit Spiral- oder Winkelmustern verziert sein. Das Absatzbeil wurde in einen Holzschaft eingesetzt, dessen Enden in zwei Teile gespalten waren. Die Befestigung erfolgte mit Lederstreifen.

Auf ihrem Rückweg von den Alpengipfeln im Jahr 1991 entdeckten zwei Wanderer eine gefrorene Leiche. Zunächst wurde vermutet, dass es sich um die sterblichen Überreste eines unvorsichtigen Alpinisten handelte. Doch mit der Zeit wurde klar, dass man einen Menschen aus der Steinzeit gefunden hatte, der vor mehr als 5000 Jahren getötet worden war. Dieser Steinzeitmann wurde nach seinem Fundort, den Ötztaler Alpen, auf den Namen „Ötzi“ getauft. Ötzis Kupferbeil ist einzigartig, da es das einzige vollständig erhaltene prähistorische Beil der Welt darstellt. Zuerst wurde das Kupferbeil als eine Art Rangabzeichen bzw. Statussymbol eines Kriegers bzw. der oberen Gesellschaftsschicht interpretiert. Gebrauchsspuren am Beil sowie Experimente mit einem rekonstruierten Kupferbeil belegen hingegen, dass mit Ötzis Beil auch Bäume gefällt werden konnten.

In Skandinavien sind Kupfer- und Bronzeäxte aus der frühen Bronzezeit (ca. 2000 v. Chr.) bekannt.

Äxte während der Eisenzeit

In der Eisenzeit (ab ca. 500 v. Chr. in Nordeuropa) wurden zunächst alte Axttypen wie z.B. das Tüllenbeil aus Eisen nachgebildet. Dieses neue Material begann dann mit seinen neuen Möglichkeiten das Erscheinungsbild der neuen Äxte schrittweise zu verändern. Äxte ohne Schaftloch (Beile) wurden durch Äxte mit Schaftloch ersetzt. Die Axtköpfe vergrößerten sich und die Schneiden verbreiterten sich.

In Skandinavien sind Eisenäxte aus dem 1. Jh. n. Chr. bekannt.

Äxte als Waffen

Axt, Keule und Speer zählen zu den ältesten Nahkampfwaffen des Menschen. Die ersten als Waffen eingesetzten Äxte dienten vermutlich ebenfalls als Werkzeuge, da sie schnell zur Hand waren. Schließlich wurde mit der Entwicklung spezifischer Waffenäxte begonnen. Trotzdem wurden die „normalen“ Äxte weiterhin und bis in unsere Zeit hinein weiterverwendet. Eine Axt, die gezielt für den Kampfeinsatz hergestellt wird, heißt Streitaxt. Solche Äxte wurden bereits in der Stein- und Bronzezeit gefertigt.

Eine Axt, die als Wurfgeschoss dient, wird als Wurfaxt bezeichnet. Wurfäxte verfügten in der Regel über kurze Schäfte. Solche Waffen kamen bei germanischen Stämmen während der Völkerwanderung (ca. 400 bis 500 n. Chr.) zum Einsatz, wurden aber auch von den Franken verwendet. Die Wurfäxte der Franken zeichnete sich durch dicke, aber scharfe Axtköpfe und kurze Schäfte aus. Sie wurden in einem Abstand von zehn bis zwölf Schritten zum Feind geworfen.

In mitteleuropäischen Gräbern aus der Zeit von 500 bis 750 n. Chr. wurde mitunter ein ganz besonderes Axtmodell gefunden, das die Bezeichnung Franziska erhielt. Anfangs war dieses Modell nur bei den Franken gebräuchlich, fand alsbald aber auch bei den Germanen, Burgundern, Langobarden und schließlich den Goten Verbreitung.

Die Franziska wurde meist als Handwaffe im Nahkampf eingesetzt, wobei es galt, die Waffe fest im Griff zu haben. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Krieger seine kostbare Waffe einfach fortwarf und dann unbewaffnet war, auch wenn dies z.B. von den Franken behauptet wird, als diese ihre Gegner im heutigen Italien anfielen. Wurde die Axt hingegen als Jagdwaffe benutzt, geschah dies unter ganz anderen Bedingungen. Bei einem scheuen Tier war es viel schwieriger als bei einem menschlichen Gegner, eine Armlänge Abstand zu halten. Eine Axt konnte schnell, leise und mit hoher Präzision aus der Ferne geworfen werden. Verfehlte sie ihr Ziel, konnte die Axt während der Jagd wieder aufgespürt werden. Eine unmittelbare Bedrohung durch einen Feind wie im Nahkampf gab es dabei nicht.

Die Franziska zeichnet sich durch eine ganz besondere Form aus. An ihr wird deutlich, dass sie als effektive Wurfwaffe konzipiert wurde. Wird eine Franziska korrekt geworfen, rotiert sie einige Male in der Luft, bevor das Axtblatt sein Ziel trifft. In einer Entfernung von 4 bis 5 m zum Ziel dreht sich die Axt einmal, bei einem Abstand von 8 bis 9 m zweimal und bei einer Distanz von 12 bis 13 m werden drei Umdrehungen ausgeführt.

In Skandinavien erlebte die Streitaxt während der Wikingerzeit (ca. 800 bis 1100 n. Chr.) einen enormen Aufschwung, als sie sich als eine Art Modewaffe etablierte. Die skandinavischen Schmiede entwickelten während der Wikingerzeit Äxte mit dünneren Blättern und langen Schäften. Der besonders leichte Axtkopf war wie geschaffen für den Kampfeinsatz. Diese Äxte wurden z.B. während der Schlacht von Hastings im Jahr 1066 eingesetzt. Dies ist auf dem Teppich von Bayeux eindeutig zu erkennen.

Die europäischen Armeen verwendeten während des Mittelalters und in der Renaissance (ca. 11. bis 16. Jh.) zwei unterschiedliche Arten von Streitäxten. Eine kleinere mit kurzem Schaft, die häufig am Gürtel getragen wurde, und eine größere mit einem längeren Schaft. Ritter kämpften häufig zu Fuß und verwendeten dabei üblicherweise Streitäxte. Äxte, bei denen der Nacken in eine Eisenspitze mündete und die Hand von einer Eisenscheibe geschützt wurde, waren ebenfalls typisch für diese Zeit. Im 15. Jh. verwendeten Ritter, vor allem in deutschen und französischen Landen, spezielle Streitäxte, als es galt, den blechernen Harnisch des Gegners zu zerstören. Diese Äxte waren schwerer, zeichneten sich durch einen kürzeren Schaft und eine etwas stumpfere Schneide aus.

In Mitteleuropa wurden im späten Mittelalter Wurfäxte eingesetzt, die komplett aus Eisen gefertigt waren. Der Schaft war in der Regel 25 bis 30 cm lang und endete in einer Spitze. Der Axtnacken war mit einer scharfen Spitze versehen. Die Schneide war rund 16 cm lang. Darüber hinaus war eine Reihe anderer Wurfaxtmodelle im Einsatz.

Große Streitäxte mit einer breiten langen Schneide und einem langen Schaft. Ein Beispiel dafür ist die so genannte Bartaxt. Die Schneide der Bartaxt ist mit säbelartigen Kanten versehen, die als Bart bezeichnet wurden. (Nicht zu verwechseln mit dem, was heute als Bart einer Axt bezeichnet wird, siehe Axtbestandteile.) Der untere Teil der Schneide war mithilfe einer Niete am Schaft befestigt. Der Schaft war etwa 1,4 m lang. An einigen Modellen war der Frontbereich des Axtblattes zur Stoßklinge geformt. Bartäxte wurden in vielfältigen Ausführungen mit einer oder mehreren Spitzen oder Haken gefertigt. Die Bartaxt wurde hin und wieder auch als „Halbmond“ bezeichnet. Ein anderer Name dafür war „Bardiche“ oder „Hellebarde“. Diese Äxte waren vor allem in West- und Mitteleuropa in Teilen des 14. Jahrhunderts verbreitet, um dann immer stärker Einzug im heutigen Schweden und in Osteuropa zu halten.

Mit dem Aufkommen des Schwerts hatte die Axt in Europa zunehmend ausgedient. Als preiswerte und leicht verfügbare Waffe für normale Menschen wie Bauern fand sie nach wie vor bei Aufständen und zur Selbstverteidigung gegenüber Wegelagerern Einsatz.

Die Axt als Symbol

Neben ihrem praktischen Nutzen wurde die Axt im Laufe der Geschichte auch mit einer symbolischen Bedeutung belegt. Ein frühes Beispiel dafür sind die o.g. Bootäxte der Steinzeit. Selbst in China, im Reich der Inka, im antiken Griechenland und im Alten Rom galt die Axt als Kultobjekt.

Im Historischen Museum von Stockholm befindet sich eine Doppelaxt aus Ton, die mit Gold überzogen ist. Eine Axt aus Ton dient nicht als Werkzeug, sondern ausschließlich als Kultobjekt. Die doppelte Anordnung der Schneide (Zweischneidigkeit) symbolisiert dabei den Lauf des Lebens. Genau wie sich die Sichelgestalt des Mondes wandelt, stellen die beiden Schneiden die Geburt bzw. den Tod in einem wie auch immer gearteten Ritus dar.

Etwa 2500 v. Chr erlebte auf der griechischen Insel Kreta die minoische Kultur von Knossos ihre Blütezeit. Knossos war vermutlich zu dieser Zeit das größte und mächtigste mehrerer Zentren in der östlichen Mittelmeerregion. Der labyrinthartig angelegte Palast war der Wohnort der Herrscher sowie zentraler Dreh- und Angelpunkt des politischen und wirtschaftlichen Lebens von Knossos. Hier fanden die farbenprächtigen religiösen Zeremonien und ekstatischen Kultfeierlichkeiten statt. Der Name Labyrinth leitet sich vom alten kretischen Wort „Labrys“ ab, was so viel wie Doppelaxt bedeutet. Die Bezeichnung des Palasts als Labyrinth weist auf seine Bedeutung als Haus der Doppelaxt hin. So wurden in Knossos in Stein gehauene Abbildungen von Doppeläxten gefunden. Bekannt ist, dass die Doppelaxt in der minoischen Kultur eine große Bedeutung hatte und als Machtsymbol diente. Bei Ausgrabungen im Palast von Knossos wurde u.a. eine Wandmalerei gefunden, auf der eine reich gekleidete Frau dargestellt ist, die in jeder Hand eine Doppelaxt hält.

Das Haus der Doppelaxt und die Darstellung der Frau mit den Doppeläxten sind nur einige der zahlreichen Symbole und Vorstellungen, die in der minoischen Gesellschaft galten. Religion und Riten waren integraler Bestandteil der gesamten Kultur.

Doppelaxt auf dem Stierkopf (Bukranion) aus dem mykenischen Griechenland.

Im Römischen Reich trugen die Liktoren (eine Art Staatsbedienstete im antiken Rom, die als Leibwächter für verschiedene Beamte fungierten) Rutenbündel, die so genannten Fasces ( mit einem Zierbeil. Diese Fasces symbolisierten die Macht zur Bestrafung. Die Gerten deuteten auf die Macht zur Züchtigung, das Beil auf Macht zur Enthauptung hin. Noch heute finden sich Fasces in den Emblemen der schwedischen und norwegischen Polizei sowie im Staatswappen Frankreichs wieder.

Mussolini übernahm die Fasces als Symbol für seine faschistische Bewegung. Sie dienten vermutlich auch als Namensgeber für den Begriff Faschismus.

 

 

 

 

 

 

In Skandinavien erlangte die Streitaxt in der Wikingerzeit Bedeutung als Symbol für Macht und Würde. Die Äxte waren reich verziert und galten als wichtiges Statussymbol. In Norwegen wird Olav dem Heiligen die Axt als eines von vielen Attributen zugeschrieben.

Selbst ins Militärwesen hielt die Axt symbolträchtigen Einzug. Der früher mit der Aufrechterhaltung von Ordnung und Bestrafung beauftragte Unteroffizier Profoss trug eine symbolische Axt an seiner Uniform. Sappeure, so etwas wie militärische Zimmerleute, trugen anlässlich von Paraden eine große Zimmeraxt, die ihre Aufgabe symbolisierte. Diese Symbolik ist bis heute im Emblem der technischen Gruppe der schwedischen Armee zu finden.

Die Axt in Religion und Mythologie

Äxte sind neben anderen Symbolen auch in verschiedenen Religionen und Mythologien als Attribute zu finden.

Ganesha ist einer der bekanntesten Hindu-Götter. Als Gott der Weisheit hilft er den Menschen dabei, Hindernisse zu überwinden. Ganesha besitzt einen Elefantenkopf, vier Arme und einen großen Bauch, mit dem er das Universum in seiner unendlichen Vielfalt erfasst. In einer seiner vielen Hände hält er eine Axt, die er dazu verwendet, das Band seiner Anhänger an die materielle Welt zu durchtrennen.

Der griechischen Mythologie zufolge wurde die Axt von Daedalus erfunden. (Daedalus ist der Vater von Ikarus, der der Sonne zu nahe kam, woraufhin das Wachs an seinen Flügeln schmolz.) Daedalus war für sein Talent bekannt und galt als Erfinder vieler Dinge, wie z.B. Bootssegel und das Labyrinth des Minotaurus.

Ebenfalls in der griechischen Mythologie findet sich die Sage vom Gott der Schmiedekunst Hephaistos, der den Kopf von Zeus mit seiner Doppelaxt spaltete. Dem gespaltenen Zeuskopf entstieg ausgewachsen und in voller Rüstung dessen Tochter Pallas Athene, die Göttin der Weisheit. Dieses Ereignis wird auf einer Athener Schale abgebildet (560 bis 550 v. Chr.).

Athene gilt darüber hinaus als Göttin der Zivilisation (des wohlgeordneten Lebens), der Weisheit und der weiblichen Handwerkskunst. Darüber hinaus wirkte sie als Göttin auch kontrollierend auf den Kampf ein. Damit steht sie symbolisch für Taktik, Geschick und Planung. Ihr Bruder Ares war der blutrünstige und unkontrollierte Gott des Krieges.

Athenes Geburt ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Als Metis, eine der Geliebten von Zeus schwanger wurde, vernahm Zeus die Prophezeiung, dass Metis’ Kinder ihm an Macht überlegen sein würden. Metis verwandelte sich in eine Fliege und wurde von Zeus verschluckt. Zeus wurde daraufhin einige Zeit später von heftigen Kopfschmerzen geplagt. Er rief den Gott der Schmiedekunst Hephaistos zu Hilfe und bat ihn, seinen Kopf zu öffnen, damit dieser die Ursache seines Schmerzes herausfände. Hephaistos spaltete den Schädel von Zeus und Athene erblickte das Licht der Welt. Obwohl Metis von Zeus verschlungen worden war, hatte ihr Kind Athene überlebt und war in Zeus zur erwachsenen Frau herangereift. Diesem Gefängnis wollte sie entweichen.

Die Ilias (von der vermutet wird, dass sie von Homer etwa 700 v. Chr. verfasst wurde) erzählt die Geschichte von Odysseus’ langer Reise. Während Odysseus’ Abwesenheit wird seine Frau Penelope von mehreren Freiern umworben. Penelope stellte ihre Freiern mehrere Aufgaben. Beim letzten Versuch versprach sie denjenigen zu heiraten, der mit Odysseus’ Bogen zwölf Axtringe auf einmal durchschießen könne. Keinem gelang es, den Bogen des Odysseus auch nur zu spannen. Nur Odysseus selbst, der als Bettler verkleidet nach Hause zurückgekehrt war und um einen Versuch bat, gelang ein perfekter Schuss durch alle zwölf Äxte.

In der chinesischen Mythologie wird erzählt, dass die Welt vom riesenhaften Pangu erschaffen wurde. Bei seiner Geburt aus einem Ei ergriff er eine schwere Axt und zerschlug das Ei mit einem mächtigen Hieb in zwei Teile. Die leichteren Elemente des Eis schwebten nach oben und bildeten den Himmel, die schwereren sanken nach unten und ließen die Erde entstehen.

Selbst die Bibel erwähnt die Axt im Zweiten Buch der Könige. Der Prophet Elisa (Elischa, Elisäus) bringt eine ins Wasser gefallene Axt wieder an die Oberfläche zurück. Möglicherweise stand diese Geschichte auch für das schwedische Sprichwort „Die Axt in den See werfen“ Pate, was im Deutschen mit dem Ausdruck „Der Axt den Stiel hinterherwerfen“ übereinstimmt und so viel wie die „Flinte ins Korn zu werfen“ bedeutet.

Verschiedene Äxte

Tomahawk als Tauschgegenstand

Vor der Ankunft der Europäer im Nordamerika des 16. Jahrhunderts lebten die dortigen indigenen Völker wie in der Jungsteinzeit „der alten Welt“. Folglich kannten sie noch keine Gegenstände aus Eisen. Nach der Eroberung Amerikas spielten Äxte als Tauschgegenstände eine wichtige Rolle beim Handel mit den Ureinwohnern. Die Europäer kannten kleine Stahläxte, die sich leicht am Gürtel tragen ließen. Bald fanden diese auch bei der ursprünglichen Bevölkerung zu Jagd-, Hausarbeits- und Kampfzwecken großen Anklang. Die alte europäische Handwerksaxt entwickelte sich sogar zu einem der bekanntesten indianischen Symbole. Dies ist u.a. der falschen Darstellung der indigenen Völker geschuldet, wie sie von den europäischen Kolonisatoren und später durch Hollywood-Filme vermittelt wurde. Die Äxte wurden unter dem Sammelbegriff Tomahawk zusammengefasst.

Dieses Wort leitet sich vermutlich aus dem Wort tamahak des Lenape-Stamms ab und bedeutet frei übersetzt so viel wie Schneidwerkzeug. Andere Quellen besagen, dass sich diese Bezeichnung aus den indigenen Sprachen Powhatan oder Algonkin herleitet.

Schäferaxt

Bei einer Schäferaxt handelt es sich um eine leichte Axt mit einem langen geraden Holzschaft, an dem sich unten häufig ein Metallknauf befindet. Der Schaft war oft graviert. Schließlich hatte deren Besitzer, der Schäfer, viel Zeit für die Verzierung des Axtschafts. Viele alte und erhaltene Schäferäxte gelten heute als wahre Kunstwerke. Der Axtkopf verfügt über einen Nacken, der sich als Hammer verwenden lässt. Die Axt liegt bequem in der Hand und lässt sich auch als Gehstock nutzen (genau wie eine Bergbauaxt oder ältere Eispickelmodelle).

Im 10. Jh. verwendeten ungarische Krieger leichte Äxte mit langen Schäften, den so genannte Fokos. Bereits davor hatten Bulgaren eine ähnliche Axtart verwendet. Ab dem 15. Jh. gelangten die Schäferäxte aus dem heutigen Rumänien nach Mitteleuropa. Sie wurden von den Hirten vor allem als vielseitige Werkzeuge eingesetzt – sowohl als kleine Axt als auch als Hammer oder Gehstock. Selbst wenn die Axt nicht zum Fällen größerer Bäume genutzt werden konnte, eignete sie sich hervorragend für kleinere Äste. In der Slowakei und in Polen waren Hirten ohne Schäferaxt geradezu undenkbar. Deren Äxte verfügten zudem über schwere Zierriemen.

Die Axt im Bergbau

Die Bergbauaxt bzw. der Steigerstock entwickelte sich aus Äxten, wie sie bereits seit dem frühen Mittelalter von Bergleuten in Mitteleuropa bei ihrer Suche nach Erz (vor allem Kupfer- und Silbererz) verwendet worden waren. Die Bergbauaxt hat sich im Laufe der Zeit zu einem Zeichen der Bergmannswürde und des Berufsstolzes entwickelt. Dieses Axtmodell gelangte vermutlich bereits im 14. Jh. mit deutschen Bergleuten ins schwedische Bergwerk von Falun. Ihre größte Verbreitung erlangte die Axt dann im 17. Jh. Bergbauäxte zeichnen sich in der Regel durch ihre sehr aufwändigen Gravuren am Axtkopf aus.

Eispickel

Einen Eispickel setzen Bergsteiger sowohl beim Auf- und Abstieg ein, wenn das Gelände von Eis und Schnee bedeckt ist. Der Pickel lässt sich je nach Bedarf und Umgebung auf verschiedene Weise halten und verwenden.

Der Ursprung des Eispickels war ein so genannter Alpenstock. Dieser lange Holzstock mit Eisenspitze wurde seit dem Mittelalter von Hirten in den Alpen verwendet. Im Jahr 1786 bestiegen Jacques Balmat und Michel-Gabriel Paccard als Erste den Mont Blanc. Abbildungen belegen, dass Balmat zwei separate Werkzeuge, einen Alpenstock (Bergstock) sowie eine kleine Axt mit sich führte, mit denen er Stufen in die eisigen Hänge hieb.  Der erste Eispickel-Hersteller Grivel hat diese beiden Werkzeuge vereint und fertigte 1840 den ersten richtigen Eispickel.

Im Jahr 1978 begründete die Union Internationale des Associations d’Alpinisme (UIAA) die formalen Standards für die Sicherheit und Funktionstüchtigkeit von Eispickeln. Dies führte u.a. dazu, dass der traditionelle Holzschaft durch einen aus Metall ersetzt wurde.

Doppelaxt

Die Doppelaxt diente, wie oben erwähnt, im Laufe der Geschichte sowohl als Symbol als auch als Waffe. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Einzug der Motorsäge in die Forstwirtschaft in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden diese zweischneidigen Äxte – Doppeläxte – vor allem von kanadischen und US-amerikanischen Waldarbeitern eingesetzt. Der unbestrittene Vorteil einer Doppelaxt bestand für einen Forstarbeiter darin, das beide Schneiden verschieden geschliffen werden konnten. Der Waldarbeiter musste nur eine Axt tragen, führte auf diese Weise aber zwei verschiedene Schneiden mit sich. Profiforstarbeiter schliffen entweder die Schneide an den Blättern im Winkel, sodass sie optimal für die „Rückhand“ bzw. die „Vorhand“ geeignet waren, oder aber eine Schneide wurde feiner zum Fällen und die andere etwas stumpfer für das Entasten geschliffen. Die Doppelaxt verbreitete sich so rasch, dass sie zum Symbol für die professionellen Waldarbeiter in Nordamerika avancierte.

Die nordamerikanischen Forstarbeiter lebten und arbeiteten häufig über lange Zeiträume weit abseits von Siedlungen. Demzufolge war die Palette an Freizeitbeschäftigungen sehr begrenzt. Daher wandten sie sich in ihrer Freizeit dem Zielwerfen auf Stockenden zu. Heute wird die Doppelaxt nur noch selten für Forstarbeiten eingesetzt. Das Axtwerfen mit der Doppelaxt auf eine Zielscheibe hat sich jedoch zu einem beliebten sportlichen Zeitvertreib entwickelt. Schweden- und Norrland-Meisterschaften werden u.a. vom schwedischen Axtwerferverband „Yxkastarförbundet“ abgehalten.

Industrielle Axtfertigung

Vor der Industrialisierung wurden Äxte von zahlreichen kleinen Schmieden gefertigt. Form und Struktur der Axt richteten sich nach ihrer Funktion, den Anforderungen des Anwenders und der handwerklichen Geschicklichkeit des Schmieds. Äxte wurden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in kleineren Stückzahlen von Handwerkern und der sich selbstversorgenden Bauerngemeinde hergestellt.

Im Zuge der Industrialisierung erlebte die Abholzung ihren Höhepunkt. Äxte fanden neue und große Abnehmer: Forstunternehmen und spezialisierte Forstarbeiter. Die gestiegene Axtnachfrage führte zur Kommerzialisierung und die Axtherstellung konzentrierte sich in Axtfabriken. Große Produktreihen und Produktionsrationalisierungen senkten die Herstellungskosten. Äxte wurden standardisiert und entwickelten sich zu industriellen Massenprodukten. Unmengen an Energie wurden für die Axtfertigung verbraucht, um den Anforderungen dieser Zeit und an dieses Industrieprodukt Rechnung zu tragen. Alle Äxte eines Modells sollten genau gleich aussehen.

Mit dem Aufkommen von Motorsägen in den 1960er Jahren wurde die Axt als Werkzeug für Forstarbeiten von der Motorsäge verdrängt. Die Axtherstellung erlebte einen massiven Einbruch und der Verkauf von Äxten nahm dramatisch ab. Viele Axtschmieden stellten ihre Tätigkeit ein. Die Betriebe, die sich gehalten hatten, waren gezwungen, weiter zu rationalisieren, um die Produktionskosten zu senken und als Unternehmen zu überleben. Äxte wurden möglichst schnell und preiswert gefertigt. Dies ging häufig zu Lasten von Funktion und Qualität.

Axtherstellung in der Gegenwart

Millionen von Kubikmetern Faserholz und Holz in der Forstindustrie haben noch nie eine Axt gesehen. Motorsägen und Forstmaschinen sind dort jetzt an der Tagesordnung. Äxte werden heute vor allem von Landwirten, Hausbesitzern, Hobbygärtnern und Outdoorfans in eher kleinerem Umfang eingesetzt. Dies erinnert an die Zeit vor dem Aufkommen der Forstindustrie.

Seitdem die Motorsäge die Axt aus der Forstwirtschaft verdrängt hat, mussten viele Axtschmieden geschlossen werden. So sollen sich z.B. in den USA mehr als 600 Axthersteller befunden haben. Heute sind davon nur noch wenige übrig. In Kanada, dem früheren Eldorado für Axtschmieden, existiert heute keine einzige mehr. Von den einst 20 schwedischen Axtherstellern sind 2013 nur noch drei übrig: Hultafors/Hults Bruk in Åby, S.A. Wetterlings in Storvik und Gränsfors Bruk in Gränsfors. In Finnland werden Äxte u.a. von Fiskars gefertigt. In Norwegen und Dänemark konnte sich kein einziger großer Axthersteller halten.

Heute sieht die Produktion bei Gränsfors Bruk gänzlich anders aus als noch vor 50 Jahren. Qualifiziertes Handwerk braucht Zeit. Akkordarbeit in der Produktion gehört der Vergangenheit an. Qualität geht vor Quantität.